Mach es einfach

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Dieser Satz ist bestimmt schon jedem von euch über den Weg gelaufen. Jeder hat ihn sich schon mal selber zugeflüstert , als er oder sie (wir wollen hier ja alles richtig machen) vor seinem Spiegelbild stand. Mach es einfach! Mach es einfach! Dringt es in deinen Kopf. Hält dich nachts wach. Was wäre wenn? Mach es einfach! Scheiß auf alles, was du gehört, gelesen, gesagt bekommen hast, mach es einfach!

Ein bisschen klingt das wie der Rolf Zuckowski Song “Ich schaff das schon”, aber so simpel kann es sein. Lass dich nicht von deinem Verstand limitieren. Wir sind zu viel mehr in der Lage, als wir so Tag für Tag glauben. Lange habe ich immer an diesen einen Satz gedacht, aber nichts daraus gemacht. Hören und sagen ist eben was anderes als hören und machen.

So kam es dazu, dass ich mich dieses Jahr im September zum Canaltriathlon angemeldet habe, mit Streckenverlauf in der Nähe von Rendsburg. Für die, die Rendsburg nicht kennen, das liegt in Schleswig-Holstein und da man manchmal den Eindruck hat, dass viele nicht wissen wo das liegt, das ist der Teil von Deutschland über Hamburg, aber pscht.

Ein Triathlon setzt sich zusammen aus Schwimmen, Radfahren und Laufen und er kann über verschieden Distanzen erfolgen. Der Canaltriathlon war über die Volksdistanz. Geschwommen wurden 500m im Kanal, anschließend 25km Rad fahren und zum Abschluss gab es noch einen 5km Lauf. Für manche mag das schon viel klingen. Ja für das erste Mal war es das auch, aber ein Ironman zum Beispiel ist nochmal eine andere Hausnummer. Abgesehen davon, dass der Name halt noch viel cooler ist. IRONMAN, ja wie der Typ aus den Marvel Filmen. Ich weiß mein Papa hat sich Ironman mal angeguckt, weil er dachte, dass es um den Sport geht. Völlig legitim wie ich finde. Beides, Film und Sport, haben zwar den gleichen Namen, aber beherbergt einen gravierenden Unterschied. Maschine gegen Muskelkraft und vor allem Willensstärke.

Wie gesagt das war mein erstes Rennen dieser Art. ich bin dort hingegangen, um ins Ziel zu kommen, nicht zum Gewinnen. Nach der Anmeldung, die mehr spontan als geplant war, hatte ich noch zwei Woche für die Vorbereitung. In diesen zwei Wochen war ich 4 mal schwimmen, 2 mal Rad fahren und 5 mal laufen. Man kann es auch Brechstangentraining nennen. Bemerke: Markenrechte und Patent beantragt. In diesen zwei Wochen habe ich angefangen mich mit Trainingsarten auseinanderzusetzen. Am Ende dieser zwei Wochen war ich da, wo ich vorher immer war: So viel du kannst, so viel wie geht. Nach einem 20km Lauf verspüre ich leichte Müdigkeit und ein 5km Lauf mit anschließend 10 Minuten Pause wirkt wie ein Aufwärmen. Kein guter Ansatz, ja ich weiß, aber ich mache eben viel von meiner Tagesform abhängig und worauf ich Bock habe. Jetzt aber zurück zum Rennen. Abschweifen kann ich. Das ist mein Geheimnis.

Raceday – Willpower in purest form

Ja da grinst er noch. Mundwinkel, die in die Ohren wandern sind doch was schönes. Neoprenhose an, Fahrrad und Laufsachen liegen bereit. Auf dem Weg zum Startpunkt darf eines natürlich nicht fehlen. Das innerliche Mitwippen und singen von dem Song überhaupt: Eminem – Lose yourself. Das ist ganz einfach der Song, den man hören sollte, wenn man sich selbst richtig in den Arsch treten will.

Alles was nicht gebraucht wird im Rucksack verstaut und nun stehe ich da mit Schwimmhose, Schwimmbrille und der super sexy grauen Badekappe. Ein letzter “viel Glück” Kuss von meiner Freundin und dann los zum Steg, von dem es ins Wasser geht. Schaut man sich um sieht man Leute, die alle Neopren Anzüge haben und Fahrräder besitzen, die teurer sind als mein Auto, aber vergleichen soll man sich nur mit sich selbst. Du kannst nicht besser sein als andere, weil du die Bedingungen nicht kennst. Deshalb kannst du nur besser sein als dein Spiegelbild.

Kurz vor dem Start geht es schonmal ins Wasser. Temperatur ca. -10 Grad, tatsächliche Temperatur irgendetwas zwischen 8 und 10 Grad. Zum Glück war ich nicht der einzige Verrückte, der nur eine Badehose an hatte. Ein bisschen Einschwimmen ist noch drin bis der Startschuss erfolgt und das Windmühlengewusel losgeht. Was ist das? Jeder, der einen Triathlon Start schon mal gesehen hat, weiß was ich meine. Nun wird sich zeigen, was mein bisschen Schwimmtraining gebracht hat. Wir bahnen uns den Weg durch die kalte, undurchsichtige Brühe. Das einzige wonach man sich richten kann, um zu schauen, ob der Weg richtig ist, sind die Paar Beine die vor einem auf und ab wippen. Schläge, Tritte, Züge an dein Beinen. Das gehört alles dazu. An der Wendestelle angekommen geht es wieder zurück zum Start und aus dem Wasser raus. Ich kann im Nachhinein sagen, dass ich mit dem Schwimmen ganz zufrieden bin, auch wenn es eher einem Kampf glich als einem Rennen; zumindest zu Beginn.

Sexy Badekappe immer parat

Aus dem Wasser raus geht es so schnell wie möglich zurück zum Rad. Badehose aus. Nein ich bin dann nicht auf einmal nackt, sondern habe eine Thermohose drunter. Socken und Schuhe an. Brille auf, Helm anlegen und ab zur Radzone. Man darf nicht sofort losfahren, sondern muss zu einer gekennzeichneten Stelle schieben, um dann zu starten. Selbstverständlich habe ich daran gedacht und bin nicht zu früh auf das Rad gestiegen: Ironie aus. Auf der Strecke geht es dann weiter. Während ich mir schon etwas schwer tue das vernünftige Tempo zu finden, kamen die Carbonflieger auch schon angeschossen. Teilnehmer mit ihren 500 Gramm Rädern und aerodynamischen Helmen rasen direkt an einem vorbei und sind innerhalb eines Zwinkerns verschwunden.

Langsam aber sicher hat sich mein Rhythmus gefestigt. Ich bahne mir den Weg entlang der Strecke, vorbei an Helfern und Zuschauern und tatsächlich auch an dem einen oder anderen Radler. Allerdings geht es bereits auf dem Hinweg zum Wendepunkt los, dass ich mich frage “Warum?”, ich denke, dass das grad echt anstrengender Scheiß ist. Aber zur Seite fahren und stoppen? Nope. Mach es einfach und dann bring es zu Ende! Gebe zumindest alles, was in dir steckt!

“Embrace the suck”

Nick Bare

Es fällt mir schwer dieses Zitat zu übersetzen, weil es im Original so klingt, wie das, was es vermitteln soll. Freunde dich damit an, dass es anstrengend ist und dich in die Knie zwingt. Dieses Zitat sage ich mir auf dem Rad immer wieder. Von außen mag es vielleicht komisch sein, wenn man jemanden sieht, der sich grad auf dem Rad abackert, dabei fast dehydriert und mit sich selbst redet. Weisst du was? Scheiß drauf! Es geht um dich, wie du das Ziel erreichst.

Dann endlich sehe ich ihn. Den Wendepunkt der Strecke. Etwas Tempo raus und elegant die kleine Fahne umrunden. Rückweg. Dann geht es los. Der Punkt ist erreicht, an dem es einfach läuft. Der Zeitpunkt an dem man nur noch funktioniert ist der geilste Moment, wenn man fährt, läuft, schwimmt oder was auch immer macht. Nichts kann dich stoppen, noch nicht mal du selbst. Embrace the suck. Fuß rauf, Fuß runter. Die Reifen zischen über den Asphalt mit diesem merkwürdig befriedigendem Surren der Reifen. Das Beste dabei ist, dass es den Tag vorher geregnet hat und die Straße noch leicht nass war. Einer der besten Gerüche macht sich breit. Jeder kennt diesen nassen Asphaltgeruch. Das ist einfach geil. Der Blick durch die Brille schweift die Straße hinunter. In der Ferne andere Fahrer. Ich erhöhe das Tempo und komme näher. Fuß rauf, Fuß runter. Ich setze zum Überholen an und bahne mir den Weg vorbei an anderen Teilnehmern. Dabei mit einem Gefühl von Stolz und “Fuck ist das geil” in der Brust. Immer näher kommt die Hochbrücke, die sich über den Kanal erstreckt. Der letzte Abschnitt zum Greifen nahe. Kurz bevor es in die Wechselzone geht werde ich noch überrascht von einem Freund, der spontan vorbeikam um mich anzufeuern. Damit im Rücken geht es daran, dass Rad abzustellen und den Lauf hinter mich zu bringen.

Nun, da ich das ungefähr einmal geübt habe; Radfahren und anschließend Laufen, fühlen sich meine Beine an wie Wackelpudding und mein Laufstil gleicht eher einem Besenstiel (ich habe den Videobeweis, danke Erik 😀 ). Allerdings geht es doch schneller als gedacht, dass ich mich an ein Tempo gewöhne und gut vorankomme. Zack, habe ich mich an zwei andere Läufer gehängt und wir halten gemeinsam das Tempo. Die Sonne kam raus und so langsam wird es dezent warm. Nicht mehr als etwas Wasser wäre jetzt das Beste. Um die Kurve und die Versorger präsentieren sich wie eine Oase, die mit dem Unterschied zum Wüstenwunder, nicht verschwinden. Wasser ins Gesicht und auf den Kopf, der Wendestelle entgegen. Tap, tap, tap. tip, tip, tip. Wir machen unsere Runde, um zurück zum Ziel zu laufen. Während sich der erste Teil des Rückweges noch schwierig gestaltet, wird es zum Ende hin immer besser. Das Tempo halten oder vorbei ziehen? Mach es einfach! Zeige dir selbst, was für ein geiler Typ du bist. So lege ich nun mein eigenes Tempo vor, um schlussendlich mit Vollgas in Richtung Ziel zu Laufen. Ein letztes Mal rechts abbiegen und man hört bereits den Moderator die Namen der Finisher sagen. Mit dem Wissen, dass ich gleich dran bin, lege ich nochmal zu, renne über die Ziellinie und bekomme meine erste Medaille, die ich mir selbst verdient habe.

Puls rast. Beine zittern. Mund grinst. Magen knurrt. Kopf sagt “gut gemacht”.

Es ist geschafft. Zwei Wochen Training, 500 Meter im offenen Wasser schwimmen. 25km Radfahren. 5km Laufen. Ich habe es einfach gemacht!

Wann machst du das, was du machen willst, dich deine Gedanken aber noch davon abhalten? Ich sage dir eins. Mach es einfach! Entweder du hast Erfolg oder du lernst, Verlieren, das kannst du nicht.

Ich hoffe euch hat diese kleine Story gefallen und ihr könnt was mitnehmen. Habt einen schönen Abend, einen erfolgreichen Start in den neuen Tage oder was auch immer. Traut euch selbst was zu und folgt dem Spirit, der euch zu dem macht, was ihr seid.

Tschau mit V und Tüdülü

Kevin

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