Ein kleiner Faden, der rückwärts läuft

Es ist mitten in der Nacht oder zumindest so dunkel, dass wenn man nach draußen blickt, man den Eindruck gewinnen kann.

Ein chaotischer Raum, Akten stapeln sich ohne Ende. Der Begriff Papierdschungel ist noch niedrig gestapelt für diesen Anblick. Unmengen an Kaffeebechern und Essensreste in typischen Lieferdienstpackungen. Der Raum erhellt durch ein paar Lampen, die gerade mal so viel Licht spenden, dass man sehen kann wer einem gegenüber steht und was man im Moment zu sich nimmt. Spannung und Neugier liegen in der Luft. Man ist kurz davor das letzte Puzzleteil richtig einzusetzen, damit sich das Große und Ganze endgültig offenbaren kann. Gebannt stehen alle um die Schlüsselmomente, die Beweise, herum und starren geschlossen als Kollektiv, als eins, an die Wand. Dort sind alle Schlüsselpunkte und wichtigen Stationen gekennzeichnet und klischeehaft mit roter Schnur verbunden, um Zusammenhänge aufzuzeigen. Es wird versucht den nächsten Schritt vorauszusehen, indem man die Vergangenheit zusammensetzt und ein Muster darin zu entdecken versucht.

Mit Sicherheit kennt jeder solche Szenen aus Filmen und TV-Serien. In der Regel sind es Spionage- oder Kriminalfilme, in denen so, wie gesagt, versucht wird das Vermeidbare zu vermeiden.

Eine Richtung dieses Vorhabens erscheint sinnvoll und aufschlussreich, sowie sicher. Während es in die andere Richtung keinerlei Sicherheit gibt. Selbstverständlich kann man gewisse Dinge erfassen und in den Kontext setzen, um eine bestimmte Richtung vorzugeben, aber die Zukunft, einen ganz genauen Moment, aktiv in der Gegenwart beeinflussen, das ist nahezu unmöglich.

“You can’t connect the dots looking forward, you can only connect them looking backwards

Steve Jobs

Wir können nur die Momente in der Vergangenheit logisch miteinander verknüpfen. Die Zukunft, die ist und bleibt ein unbeschriebenes Blatt. Man kann nicht sagen, dass in der Zukunft genau X eintritt. Es kann sich zwar in diese Wegrichtung entwickeln, wird aber selten genau so sein wie man es sich anhand der roten Schnur erdacht hat oder versucht hat sich zu erdenken.

So wie wir die Zukunft nicht vorhersagen können, können wir das Vergangene nur als Vergangenes hinnehmen, was in sich geschlossen ist. Verändern kann man es nicht mehr und wenn man sich dann wieder die Frage stellt “Was wäre wenn?”, dann hat man ein gewisses Problem mit sich selbst. So wie man ist, jetzt in diesem einen Moment, sollte man doch zufrieden mit sich sein. Aber das Ganze ist noch ein Thema für sich. Das wird dann demnächst folgen.

Wir können das, was wir zuletzt erlebt haben im Prinzip und mit sehr viel Aufwand, wahrscheinlich auch mit sehr viel Kaffee und Redbull, bis zum Tag unserer Geburt zurück verfolgen. Vor allem, weil wir uns alle so gut daran erinnern können, als wäre es gestern gewesen. Ich selbst mache es in letzter Zeit häufiger, dass ich mir vor Augen halte, was ich aktuell besitze oder erlebe und wie dies im Zusammenhang mit dem der Vergangenheit steht. Ich würde lügen, wenn das nicht ab und zu einerseits viel Glück ist, aber auf der anderen Seite auch ziemlich unheimlich sein kann.

Überlege ich beispielsweise, was mich heute interessiert bzw. antreibt; dieser Drang mehr über mich zu erfahren und zu lernen, dann kann ich das ein Stück weit zurück verfolgen. So würde ich nun sagen, dass dieser Drang daraus resultiert, dass ich viele Bücher in dieser Richtung gelesen habe und mich mit mir auseinandersetze. Dass ich damit begonnen habe kann ich zurückführen darauf, dass ich schon viel auf Reisen war. Vor allem in Kalifornien (wie ich immer noch finde, mit einer der besten Orte der Welt – ja verurteilt mich ruhig), wo man stets dieses Gefühl hat frei zu sein, sich von der Dauersonne berieseln lassen kann und Leute trifft, die mit Ihrer Art einfach einen solchen Spirit ausstrahlen, dass dieser ansteckt. Hier habe ich begonnen mir klarzumachen, dass für mich in diesem Leben dann doch mehr drin ist, als stumpf meine Zeit abzusitzen. Mein Interesse an LA hat sich davor bereits ergeben, als ich ein wachsendes Interesse an Filmen hatte und da ist dieser Ort natürlich der beste, den es gibt. Zu den Filmen bin ich gekommen, da ich schon immer ein kreativer Kopf war und darin ein Interesse gefunden habe, welches mich lange Zeit gebunden und in seinen Bann gezogen hat.

Ich könnte jetzt noch weiter erzählen und würde wahrscheinlich in 4 Tagen immer noch vor dem Rechner sitzen, aber ich denke, dass dieses kleine Beispiel reicht, um zumindest minimal zu verdeutlichen, was und wie dieser Blogeintrag hier zu verstehen sein soll.

Einer von so ca. 58 Sonnenuntergängen, die ich bisher in Kalifornien erleben durfte.

Sieht man einen solchen Sonnenuntergang, wenn der gelb glühende und lebenspendende Ball sich seinem Ende eines jenen Tages neigt, ja dann sieht man, wie klein man eigentlich ist und wie dankbar man für jeden Moment sein kann und vor allem sein sollte, denn selbstverständlich sind die nicht.

Möglicherweise werden sich jetzt einige denken, dass das mit dem “Verbinden der Zusammenhänge” ja auch vorwärts funktioniert. Wenn man sich sagt, dass man in 5 Jahren einen Audi fahren will und sich den dann 5 Jahre später kauft, dann scheint dieses Verbinden ja vorwärts, wie auch rückwärts zu funktionieren. Ja stimmt schon, aber für mich ist es das Beste und Schönste nicht zu sehr im Vorwege zu planen, sondern im Moment einfach zu denken “Man geil, dass ich das und das habe oder erlebe”. So mache ich mir die einzelnen kleinen Momente viel mehr bewusst.

Zu starke Planung ist die Saat für Erwartungen, nicht erfüllte Erwartungen resultieren in Enttäuschungen. Es kann sich jederzeit alles ändern, daher plane ich eben nicht zu viel im Vorwege, um dementsprechend mehr Konzentration für den aktuellen Augenblick zu haben. Natürlich mache ich mir auch Gedanken über die Zukunft, aber ich versteife mich nicht auf einen Weg. Man kann nie wissen wer oder was einem über den Weg läuft, wenn man diesen entlang “irrt”, um sich selbst zu finden und dankbar für sich selbst ist.

Ein anderes Beispiel ist, auch im Zusammenhang mit diesem Blog hier, mein Interesse am “Warum”. Warum tun Menschen das, was sie tun?

Nun im Prinzip ist die letzte Station dazu bzw. der Startpunkt, dass ich genau jetzt vor 1 Sekunde, was nicht mehr jetzt ist, diese Worte hier schreibe. Mein eigenes Warum und euch helfen eures zu finden; das fasziniert mich. Wie kam es dazu? Kurze Stichpunktabfolge:


Vor zwei Jahren war ich mit einem Mädchen aus San Diego in München und sie erzählte mir von ihrer ehrenamtlichen Arbeit mit Gangmitgliedern, die ausgestiegen sind aus deren Gang. Sie wollte das Warum verstehen und analysieren.


Dazu, dass wir uns getroffen haben, kam es dadurch, dass ich 1 Monat vorher von der Arbeit aus in Schottland war und eine Tour durch die Highlands gemacht habe. Dort haben wir uns im Kleinbus kennengelernt.


Den Aufenthalt in Schottland hat mir die Arbeit in meinem Ausbildungsbetrieb ermöglicht, der in Schleswig sitzt.


Hätte ich in der 11ten Klasse nicht mit dem Sport angefangen wäre meine Berufswahl ganz anders ausgefallen, als ich sie schlussendlich gewählt habe.


Hätten meine Eltern nicht gesagt, dass ich doch mal mit Sport anfangen soll und nicht dauerhaft vor der Konsole sitzen soll, ja dann würde ich nicht hier sitzen und dieses Manifest verfassen. (Ja ok, das klingt ziemlich dolle)


Ich könnte diese Kette hier nun auch unendlich weiterspinnen und ergänzen um viele tausend Kettenglieder, aber der Punkt ist klar. Hoffe ich zumindest. Du kannst Zusammenhänge eben nur im Rückblick richtig verknüpfen. Für mich führt das wieder zu unfassbarer Dankbarkeit. Siehst du für dich selbst, wie alles angefangen hat und dann siehst du dich jetzt hier stehen, dann kann man nur dankbar und glücklich sein.

Leider nehmen wir das Puzzle des Lebens oft nicht wahr, da uns entweder oft diktiert wird, was zu tun ist. Wir das, was wir haben nicht zu schätzen wissen oder wir es ganz einfach nicht sehen.

Es ist kein Leichtes die Teile richtig ineinander zu stecken, aber setzt man sich hin und sagt “Ich bin hier, ich bin glücklich, ich bin dankbar, ich bin am Leben”, dann kann man vor seinem geistigen Auge zumindest ein paar Schritte zurückwandern und sieht, dass der Ursprung des jetzigen Zustands wirklich verschwindend klein zu sein scheint und somit wirkt das, was man jetzt hat umso größer und erfüllender.

“Dankbarkeit lässt dich glücklich wahrnehmen”

Von mir 🙂

Während ich hier jetzt so schreibe könnt ich auch gleich einen weiteren Zusammenhang, wohlbemerkt für mich, beschreiben und erläutern. Das Thema der Besitzlosigkeit. Ein Bekannter hat mich neulich darauf gestoßen und es passt für mich wunderbar in diesen Kontext, aber auch das wird folgen.

Für mich geht es jetzt noch zum Sport. Ich habe mir gestern irgendwie spontan die Challenge gesetzt jeden Tag in dieser Woche 10 Kilometer zu laufen. Zwei von sieben habe ich schonmal.

Also überlegt euch mal, wo ihr seid und was euch dahingebracht hat. Seid dankbar für das, was ihr habt und nicht undankbar für das, was ihr nicht habt.

Schönen Abend und bis bald

Vegas (ist ein Insider)

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Author: KevinB

Autor, Sportler, Reisender, Fotograf, Allesmacher. Ich bin auf der Suche nach mir selbst und schreibe meine eigene Geschichte. Das ist es, worauf es ankommt. Ich bin Kevin und das hier ist mein Anfang.

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