Eine Frage des Wollens

Diesen Sonntagabend, an dem ich diesen Eintrag vorgeschrieben habe, lehne ich mich zurück und kann stolz auf mich sein. Jetzt gibt es Weihnachtsfilme und einen stetigen Blick auf den grad geschmückten Tannenbaum. Wenn ich weiß, dass ich nun eine Woche hinter mir habe, in der ich immer alles gegeben habe, um mein spontan gesetztes Ziel zu erreichen, dann kann ich auch besonders gut darin sein zu entspannen. Was ist passiert?

Regieanweisung: Schnitt zu schwarzem Bildschirm, super krasse Rückblende… Dadadada dadadadada dadada dadada…. Okay okay geht ja schon weiter. Eigentlich kann man das hier auch überspringen, aber vielleicht verpasst man ja etwas Wichtiges. So, nun aber weiter…

Am Montag war ich ohne jeglichen Gedanken beim Sport und habe ein stink normales Rückentraining hinter mich gebracht. Anschließend noch ein bisschen Laufband, um das Ganze abzurunden. Nunja, aus 15 Minuten Laufen wurde nachher eine Stunde, in der ich etwas mehr als 10 Kilometer gelaufen bin. Am Dienstag bin ich wieder zum Sport und bin wieder gelaufen. Wieder 60 Minuten. Wieder 10 Kilometer. Dann habe ich mir für diese Woche ein Ziel gesetzt. Jeden Tag 10 Kilometer laufen. Das macht dann in Summe 70 Kilometer. Ich muss gestehen ein bisschen habe ich mich so wie der Herr im Titelbild gefühlt. Forrest Gump.

Mein bisheriges Best-Wochenpesum lag bei, ich glaube 30 Kilometern. Heute Abend sitze ich gemütlich auf der Couch mit mehr als der doppelten Distanz in den Knochen, könnte aber immer noch weiter laufen.

“That day, for no particular reason, I decided to go for a little run. So I ran to the end of the road. And when I got there, I thought maybe I’d run to the end of town. And when I got there, I thought maybe I’d just run across Greenbow County. And I figured, since I run this far, maybe I’d just run across the great state of Alabama. And that’s what I did. I ran clear across Alabama. For no particular reason I just kept on going. I ran clear to the ocean. And when I got there, I figured, since I’d gone this far, I might as well turn around, just keep on going. When I got to another ocean, I figured, since I’d gone this far, I might as well just turn back, keep right on going.” 

aus Forrest Gump

Abgesehen davon, dass Forrest Gump ein absolut toller Film ist und er zu meinen, sagen wir Top 5 Filmen gehört, wo ich allerdings nicht sagen kann, welche die anderen 4 sind, steckt dieser Film einfach voller Schönheit und Einfachheit.

Forrest Gump hat seine Geschichte geschrieben, dadurch, dass er einfach losgelaufen ist und stets der herzensgute und liebevoll “doofe” Mensch blieb, der er ist. Er ist sich treu geblieben und hat stets seinem Herzen die Führung überlassen. Sei es seine Jenny, Bubba oder das Laufen.

So habe auch ich es gemacht, ich bin einfach losgelaufen. Einfach gemacht und es hat sich gut angefühlt. Ein Schritt mit jedem Herzschlag. Moment für Moment.

Jeder Schritt, den ich in dieser Woche gemacht habe, hat sich gut angefühlt, auch wenn 60 von den 70 Kilometern auf dem Laufband stattgefunden haben. Mit jedem Schritt, der dazukam, kam ich diesem Ziel dieser Woche näher und näher. Mit jedem Schritt wurde dieses Gefühl von Beflügelung größer und ich kam immer mehr in diesen “Funktions-Modus”. Man muss sich darauf einfach einlassen und wird sich mit Hingebung darin verlaufen und verlieren.

So kam es jetzt am heutigen Sonntag dazu, dass ich die Woche mit meinem sechsten Volkslauf, dieses Jahr, abgeschlossen habe, dem Adventslauf in Flensburg. Es waren zwar nur 9,3 Kilometer, aber mit Aufwärmrunden kommen die 10 dann doch zusammen. Ich kann nur sagen, dass dieser Lauf ein schönes Erlebnis und ein toller Abschluss dieser “Willweek” war. Himmel dunkel, Wind vorhanden, Regen keine Überraschung mehr. Aber, die Leute hatten alle gute Laune. Es macht einfach Spaß in so einer Gruppe aus Läufern unterwegs zu sein, die mindestens genauso bescheuert sind, wie man selbst. Jeder Mensch, mit normalem Verstand würde wahrscheinlich sagen, dass man doch lieber zu Hause bleiben sollte bei dem Wetter und mit dem, was schon seit 6 Tagen in den Knochen steckt. Aber dieses Gefühl von Stolz, Freude und Freiheit mit jedem Schritt, das macht einfach Lust auf mehr.

Selbstverständlich durfte der obligatorische Rocky Moment nicht fehlen, als ich die Treppe hinauflief. Wie witzig das Ganze eigentlich war habe ich selbst erst nachher auf dem Video gesehen, welches meine Freundin aufgenommen hat.

“Sie können die Wahrheit doch gar nicht vertragen…”

Jack Nicholson in “Eine Frage der Ehre”

Ja das Zitat geht eigentlich noch weiter und ja es ist vielleicht etwas willkürlich, aber es passt in das Gesamtkonstrukt, wie ich finde.

Leider scheint es oft so zu sein, dass wir uns vor der Wahrheit drücken, weil sie unbequem, unrealistisch oder einfach den Anschein erweckt, dass sie Quatsch ist. Stattdessen sollte man sich mal im Spiegel in die Augen schauen und sich fragen, was die eigene Wahrheit ist. Man ist zu so viel mehr in der Lage, als man denken mag. Ich sage es mal so: Mein bisheriges Trainingspensum beim Laufen war noch nicht mal ansatzweise so weit, dass ich in einer Woche 70 Kilometer laufen gehen könnte. Warum habe ich es gemacht und geschafft?

Weil mir auch mit jedem mal, wo ich mich auf diese blöde Laufband gestellt habe bewusst geworden ist, dass das ein Kinderspiel ist und sich jeder Schritt lohnt. Denn jeden Schritt, den ich im Schmerz mache, den bin ich dem faulen Kevin voraus. Natürlich tat es weh. Die Beine pumpen und brennen, die Lunge glüht und der Rücken wird schwer, aber mit jedem Schritt dachte ich mir, wie geil das eigentlich ist.

Es ging dabei für mich nicht darum neue Bestzeiten zu laufen, sondern einfach zu beginnen und das Begonnene zu Ende zu bringen. Man muss nicht alles sofort umkrempeln und binnen 24 Stunden der beste der Welt werden. Was man machen muss, ist der erste Schritt. Denn mit dem ersten Schritt hat man schon Fortschritt gemacht.

Beim Sport denken sich viele mittendrin, warum sie das machen und wann denn endlich der Effekt kommt. Ich finde, dass man schon dadurch Fortschritte macht, wenn man überhaupt den Fuß ins Studio setzt, denn dann ist man schon um einiges besser als der, der zu Hause bleibt.

“Solange du beginnst, kannst du nicht stehen bleiben”

Unbekannt

Gib dir selbst einen Ruck und setze dir eine eigene Herausforderung für eine Woche. Montag bis Sonntag. 7 Tage, in denen du dir selbst etwas beweisen kannst. Aber vollkommen egal was es ist, Hauptsache es ist etwas.

Mit dem letzten Schritt über die Ziellinie hinweg habe ich nicht gedacht “Man gut, ist das endlich vorbei”. Stattdessen habe ich mich gefreut, dass ich es durchgezogen habe und mir gedacht “das war eine verdammt gute Woche und eine super Herausforderung. Laufen könnte ich jetzt wieder und wieder”

Die Nummer 18

Stolz präsentiert er seine Errungenschaft. Dieses Foto ist der Inbegriff von Erfolg, Stolz, Zielstrebigkeit, Motivation und der Unfähigkeit vernünftig zu grinsen. Ich habe mich im Laufe dieses Jahres entschieden solche kleinen Läufe mitzumachen, um am Ende sagen zu können “Guck, was ich durchgezogen habe” und wie man sieht, es funktioniert doch.

Ich bin schon am Überlegen was ich als nächstes machen kann. 24 Stunden Tartan Bahn laufen und einen Drehwurm bekommen, den Lauf zwischen den Meeren alleine hinter mich bringen, mal schauen. Aber zuerst folgt am 29 Dezember der letzte Lauf des Jahres in Oeversee. Ich freue mich schon darauf und bin gespannt, wie der so laufen wird. (Wortspiel: Mini-Schlagzeug bitte Badum-tssss)

Ich wünsche euch allen einen schönen Start in die neue Woche und möchte euch bitten das mal auszuprobieren. Sucht euch eine Herausforderung und zieht sie für diese eine Woche durch. Stellt euch die Frage wozu ihr fähig seid und findet eure Wahrheit.

Gute Nacht alle Mann… und Frauen

Le Kév

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Author: KevinB

Autor, Sportler, Reisender, Fotograf, Allesmacher. Ich bin auf der Suche nach mir selbst und schreibe meine eigene Geschichte. Das ist es, worauf es ankommt. Ich bin Kevin und das hier ist mein Anfang.