Ein Sprung voraus

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Samstag früh und es klingelt der Wecker. Ewww… Es ist 8 Uhr und ich denke mir, dass ich doch gut noch den Schlaf nachholen kann, den ich in der Woche etwas verpasst habe. Also auf den ominösen Schlummer-Knopp gedrückt und nochmal umgedreht.

Eine frische Brise kriecht durchs Fenster in meine Nase und ich stehe nun mal auf. Es ist inzwischen 8:30 Uhr “Oh mein Gott”. Nein alles noch im Rahmen. Von wirklichem Schlaf kann man nun nicht reden. Also absolut nicht. Sagen wir mal, wie es so im Volksmund und in wissenschaftlichen, sowie auch soziologischen Berichten und Thesen lautet, ich habe Augenpflege betrieben, damit mein linkes Auge nicht ganz so matschig ist, wie sonst.

Ein Griff nach rechts zum Buch, das ich mir vor Kurzem geholt habe und dann erstmal ein paar Kapitel blättern. Selbstverständlich geht es in dem Buch um das Laufen. Spoiler. Ich möchte noch eben die Gelegenheit nutzen und einen Spruch von Gameone, dem alten Spielemagazin auf MTV, an den Mann bringen. Reusper reusper, hust hust.

“Wer hätte damit rechnen können? Jeder andere Mensch.”

Simon von Gameone

Einige werden sich jetzt wahrscheinlich fragen, was das hier eigentlich werden soll. Jaha, wartet mal ab. Das Highlight kommt noch.

Nach dem Seitenblättern kurz frisch gemacht und dann an den Herd. Drei Eier in die Pfanne geklatscht und Vollkorntoast dazu. Das Ganze mit einem Topping aus feinsten südeuropäsichen Gemüseanbau, welches so fruchtig aromatisch ist, dass es einem schwer fällt zu glauben, dass es sowas gibt. Ein wahrer Gaumenschmaus. Es war Ketchup. Aber zuckerfrei; während ich das schreibe hebe ich meinen “Ich möchte deutlichst darauf hinweisen” Zeigefinger. Nun denn kurz geschlemmt und anschließend noch die eigenen vier Wände aufgeräumt.

Gegen Mittag überkam mich dann die Lust mich zu bewegen. Also Sachen gesammelt und Laufschuhe an. Meine Tracking App gestartet und los ging es.

Es braucht nicht viel, um zu beginnen

Als ich das Haus verlassen habe, lautete die Idee in den Wald zu laufen, um dort ein paar Runden zu drehen. Nach knapp 5 Kilometern bin ich dann irgendwie aus diesem Wald gekommen, absolut keine Ahnung wie, aber raus ist raus und dann habe ich mich auf den Weg in Richtung Wasser gemacht. Für die, die aus Schleswig und Umgebung kommen ist diese Strecke absolut zu empfehlen, vor allem an einem solchen Morgen, an dem die Sonne grad aus Ihrem Schlaf erwacht und sich langsam am Horizont empor schiebt. Das Wasser treibt ruhig vor sich an, Vögel gleiten darüber hinweg und Leute kommen mir entgegen. Ein friedlicher Morgen. Das denken sich wahrscheinlich auch die Leute, die vor mir gehen und plötzlich die Schritte hören. Die Schritte von einem Bekloppten, der bei geschätzten 2 Grad in kurzer Hose an ihnen vorbei läuft. Nunja, so sei es drum. Aber ich muss auch gestehen, dass laufen in langen Hosen nicht geil ist. Ich fühle mich dann immer so eingeschränkt.

Mit so einer Aussicht dann unbezahlbar

Schritt für Schritt ging es dann weiter entlang am Wasser bis ich die alte Bahntrasse erreiche. Einen schönen Sandweg auf dem das Laufen einfach Spaß macht und vor allem dadurch, dass er dieses befriedigende Knirschen von sich gibt, wenn man seinen Schritt setzt. Inzwischen war ich dann bei Kilometer 8 oder so bis ich an die Weggabelung kam an der ich mich entscheiden musste. Links oder rechts? Kurz oder lang? Fixe Antwort: rechts und lang. Meine Beine fühlten sich gut an. Nur meine Füße waren noch etwas auf von den letzten Läufen, aber egal, die können das schon ab. So bahnte ich mir den Weg über insgesamt weitere 13 Kilometer. Durch einige kleine Dörfer, entlang der Hauptstraße bis ich schlussendlich wieder zu Hause war. Wo ich begeistert auf meine App blickte, denn ich habe es tatsächlich geschafft einen Halbmarathon in unter zwei Stunden zu laufen, was ein ziemlich gutes Gefühl mit sich brachte. Und wie hab ich das gemacht?

Ich bin einfach losgelaufen mit nicht besonders viel am Mann. Das Wichtigste dabei ist aber die Lust und das Wollen, alles andere ist nur nettes Zubehör. Ich hätte auch bei Kilometer 10 wieder zu Hause sein können, aber dann hätte ich dieses Gefühl nicht genutzt und genossen, das ich hatte. Es hat eben alles gepasst und wenn das der Fall ist dann mache ich gerne noch mehr Strecke.

“Höre nicht auf, wenn dein Plan es so sagt. Höre auf, wenn du dich so fühlst als hättest du alles gegeben.”

Hier, hier, ich will

Mit jedem Schritt, den ich mehr gehe, bin ich jedem voraus, der ihn nicht geht. Ich werde besser und besser und lerne mich selbst einzuschätzen, vertraue darauf, was mein Körper und mein Herz mir sagen und mache es dann. Das Ende vom Lied: ich bin stolz auf die Leistung und konnte mich wieder nur selbst bestätigen, dass es das absolut wert ist das Zwicken und den leichten Schmerz in Kauf zu nehmen. Irgendwann nimmt der Körper das an und er läuft wieder rund, nur um dann wieder eins vor das Fressbrett zu bekommen.

“Leute haben solange einen Plan, bis sie eins in die Fresse bekommen”

Mike Tyson

Höre mal auf deinen Körper und dein Gefühl. Lasse den Plan mal Plan sein und genieße einfach den Augenblick und mache das Beste aus dem, was sich dir grad offenbart. Verlasse die Couch und gehe spazieren. Schalte den Fernseher aus und lies ein Buch oder diesen Blog ;). Mache anstatt 10 Liegestütze 11 und so weiter. Mache mal diesen Sprung hinein in den Bereich, wo du sonst nie bist und du wirst dir selbst danken können.

Und nun möchte ich euch danken für das Lesen und Vorbeischauen. Habt einen wundervollen Abend und einen guten Start in die Woche.

Tschüssikowski

Kevin

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