Hoch hinaus – und auch in die Berge

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Es ist der Abend des letzten Tages, eines kleinen Abenteuers. Netz für das Telefon ist kaum bis gar nicht vorhanden, im Hintergrund rauscht der Fluss zwischen den Bergen hindurch und langsam senkt sich die Sonne der Nacht entgegen. Wir sitzen mit sechs Leuten gemeinsam im Dining Room und erzählen uns Reisegeschichten, Erfahrungen und Erlebnisse. Sechs Leute, die sich vorher noch nie gesehen haben und anscheinend trotzdem miteinander klar kommen. Antonio aus Spanien, Sarah, Dai und ich aus Deutschland, Rebecca und McKenna aus den Staaten.

Wir sitzen am Tisch bei Tee, Abendessen und dem Surren einer kleinen Glühbirne, die den Raum versucht zu erleuchten.

Zuvor, 2 Tage um genau zu sein, haben wir uns schon etwas unterhalten, aber nicht bahnbrechend oder vielseitig. Am Morgen dieser Unterhaltung haben Nima, mein Guide, und ich uns auf den Weg gemacht zum Lama Hotel. Ein Stopp auf dem Weg nach Kathmandu. Eigentlich war die Etappe viel kürzer vorgesehen, aber ich wollte gerne weiter gehen und so sind wir 9 Stunden lang bergab gelaufen. Meine Füße haben gebrannt, die Knie geschmerzt, der Kreislauf wurde langsamer, weil die Anstrengung zu groß war. Unterwegs treffen wir immer wieder Thomas und Molis aus Australien, mit denen wir dann viel Zeit nach unten verbringen. Ein Glück waren die beiden so lieb und gaben mir Paracetamol, weil mir bei der Ankunft alles wehtat.

Dieser Weg runter war wahrscheinlich das anstrengendste, was ich bisher gemacht habe. Die Grenze der Erschöpfung kam immer näher, die Spucke lief nur so aus dem Mund und die Lippen wurden immer trockener, aber dann waren wir abends auch irgendwann da, im Lama Hotel.

Am nächsten Morgen, nachdem ich geschlafen habe wie ein Stein, machten wir uns mit den Australiern auf den Weg, um uns bei der Lunchbreak zu trennen, da die beiden in eine andere Richtung gegangen sind. Wir verabschieden uns per Handschlag und bleiben über Facebook im Kontakt.

In der Pause hatte Nima seine Sachen gewaschen, was dazu führte, dass wir ca 2 Stunden da herumsaßen und ich mir eigentlich nur das Ende dieses Tages herbeiwünschte, weil meine Füße endgültig auf waren.

Aber in der Zeit der Warterei kamen auch etwas erwartet unsere französischen Freunde vorbei. Ich stoppe sie mit einem “Bonjour” und sie kommen zu uns.

On the way with the French

Loic und Cha haben wir auf dem Weg nach oben getroffen, uns immer wieder überholt und sind dann irgendwann gemeinsam weitergegangen.

Drei Tage waren wir gemeinsam unterwegs, was eine wirklich schöne und lustige Zeit war. Wir haben gemeinsam in den gleichen Unterkünften genächtigt, haben Karten gespielt, uns über alles und jeden unterhalten und gelacht.

Am 5 Tag haben wir uns dann auf den Weg zur letzten Station gemacht. Kyanjin Gompa, 3800 Meter. Die Sonne strahlt, keine Wolke am Himmel, umgeben von Stille und schneebedeckten Bergen. Wir frühstücken und machen uns auf den Weg.

T-shirt an, weil es erstaunlich warm war, Sonnenbrillen auf und aufi. In der Ferne sehen wir den größten Gipfel und wir sagen alle, dass es das wert ist. All die Quälerei, die Schmerzen in den Beinen und in der Lunge, weil der Sauerstoff sofort von den Beinen aufgesaugt wird, so fühlt es sich jedenfalls an. Das alles ist es wert, wenn man die Gipfel da oben sieht, im Himalaya.

Nach gut 3 Stunden sind wir dann im höchsten Dorf angekommen, haben fix gegessen und dann haben Loic, Cha und ich uns auf den Weg gemacht zum Viewpoint, von dem aus man den Gletscher sehen kann. Wege bedeckt mit hohem Schnee, auf dem man immer wieder rutscht oder einsinkt, Steigungen, die einen an die Grenzen bringen, aber wie gesagt, es ist das alles wert. Die Adler gleiten hier umher, der Schnee wird wie Puderzucker vom Wind in die Luft getragen, die Sonne blendet, aber hören tut man hier oben wirklich nichts.

Am Abend sitzen wir alle im Dining Room, wärmen uns am Ofen, trocknen Kleidung, ich unterhalte mich mit Loic über das Reisen und die Welt, ehe er und Cha sich verabschieden, weil die beiden am nächsten Morgen wieder runter gehen, weil ihm sein Knie etwas zu schaffen macht. Wir umarmen uns und tauschen Kontaktdaten aus.

Nach hoch kommt anstrengend

Der Wecker klingelt um 6 Uhr, ich wecke Nima, weil wir um 6:30 Uhr loswollen auf den Gipfel vom Kyanjin Ri, der sich auf 4300m befindet. Eigentlich war angedacht auf 5000m zu gehen, aber aufgrund von zu viel Schnee war das nicht möglich, worüber ich auch sehr froh bin, denn als wir nach einer Stunde oben ankamen, war ich auf deutsch gesagt schon echt im Arsch. Aber es ergab sich ein Ausblick auf eine der schönsten Landschaften, die ich jemals gesehen habe.

Man fühlt sich so klein und so hilflos, aber auch erfüllt und voller Energie, wenn man da oben steht. Auch Nima ist etwas fertig als wir oben ankommen, wir umarmen uns und stoßen mit kleinen Keksen an, die ich noch mit hatte.

Dann ging es wieder runter, wo einem ab und zu doch etwas der Kackstift ging, weil es steil und rutschig war, aber etwas Adrenalin hat noch nie geschadet.

Frühstück verzehrt, Porridge mit Honig, extra Zucker und ordentlich Erdnusbutter von McKenna. Der Tag sollte lang werden.

Kurzum: 40000 Schritte, 9 Stunden, 2000 Höhenmeter und 18km total. Aber da waren wir ja schon.

Die Freude in der Fremde

Nachdem Loic und Cha dann weitergegangen waren von unserem Lunch Standort, habe ich etwas durch die Bilder gescrollt, ehe mich ein “Hey” erreichte.

Rebecca, Antonio und McKenna passierten uns. Es stellte sich heraus, dass sie auf dem gleichen Weg waren und wir ggf. mit dem Jeep oder Bus gemeinsam zurück fahren können. Sie gingen weiter, weil wir uns später sehen würden.

Ich sagte Nima Bescheid, aber er sagte mir, dass wir etwas vor dem letzten Dorf schlafen, weil es da günstiger sein soll, was dazu führen würde, dass wir die drei nicht mehr sehen würden.

Kurze Zeit später packte er seine Sachen, damit wir uns auf den Weg machen konnten. Tatsächlich, auch wenn mir alles wehtat, habe ich ihn etwas abgehängt, weil ich die anderen drei noch einholen wollte, was sich als Erfolg und Glückstreffer herausstellte, denn später stießen dann Sarah und Dai noch mit dazu, um die Gruppe zu vervollständigen.

Nima hat dann für uns alle Bustickets reserviert und wir freuten uns auf den nächsten Tag, wenn wir dann alle gemeinsam durchgeschaukelt werden.

Warum man wandert

Wir sitzen im Dunkeln, erzählen uns Geschichten. Es ist 21 Uhr als wir alle ins Bett gehen, was im Vergleich zu den vorherigen Tagen wirklich spät ist.

Geschichten über Toiletten und Magenprobleme sind da kein Tabu. Ich sage nur, dass Freundschaften wahrscheinlich für ewig sind, wenn man Toiletten Geschichten erzählt und Mittel gegen Durchfall teilt.

Am Morgen schaufeln wir das Frühstück schnell rein, denn wir müssen den Bus bekommen, der um 8 Uhr losfahren sollte. Nima sagte, dass es 10 Minuten zur Station seien. Wir haben endgültig 30 gebraucht. Wahrscheinlich gibt es eine Sherpha Zeitrechnung; ich meine Nima ist den letzten Tag in Badelatschen bergab gelaufen.

Wir hasten über die Brücke, wonach uns die ganze Zeit ein Motorradfahrer verfolgt, anguckt und telefoniert.

Es stellt sich heraus, dass es ein Freund von Nima, der noch nicht mitgekommen war, weil er das Geld noch gezählt hat, war, der uns die Tickets sichern sollte und den Bus stoppen sollte, wenn dieser schon los fahren sollte.

Schweißgebadet erreichen wir das Gefährt für die nächsten 7 Stunden, für 137 Kilometer.

Geprägt von Nepalesischen Musikvideos, weiteren Schlaglöcher, diversen Versuchen zu schlafen. Glück haben wir mit den Sitzen, denn wir 6 sitzen alle hintereinander. Sarah und Dai, McKenna und ich, Antonio und Rebecca.

Wir unterhalten uns über die Vielseitigkeit der dargebotenen Musikvielfalt, Sport, das Trekking und vieles mehr. Immer wieder unterbrochen von den Versuchen etwas Ruhe zu bekommen und die Augen zu schließen, was aber zum Scheitern verurteilt war.

Als wir dann irgendwann in Kathmandu ankommen, sind wir erleichtert, freuen uns auf die Dusche, ein bequemes Bett und die Möglichkeit die Füße hochzulegen. Für den nächsten Tag verabreden wir uns zum Pizza essen.

Warum wir wandern ist mir in den letzten 2 Tagen bewusst geworden. Wir wandern, um zu lernen über andere und uns selbst. Um Menschen kennenzulernen, die wir sonst nie getroffen hätten. Um Momente zu erleben und zu genießen, die man sonst nicht hat. Um Freunde zu finden. Um festzustellen, dass wir gar nicht so viel brauchen, um glücklich zu sein.

Für mich war es wirklich schön das Himalaya zu erleben, aber mein persönliches Highlight waren und sind die Leute, die ich kennengelernt habe.

“Das Motto von “LIFE”: Die Welt sehen, Dinge, an die heranzukommen gefährlich ist, hinter Mauern blicken, sich näher kommen, einander finden und fühlen. Das ist der Sinn des Lebens.”

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty

Dinge und Gegenstände kommen und gehen, werden alt und langweilig, aber Momente und Erinnerungen, das ist der Stoff aus denen das Leben gemacht ist. Das sind die Dinge, die es lebenswert machen. Momente erfüllen dein Herz, lassen dich schwelgen und lachen. Man ist sich fremd, teilt so viel und das was bleibt, bleibt für immer.

Ich könnte jetzt noch so vieles mehr schreiben, aber ein einfaches “Danke” an all die tollen Menschen soll es jetzt hier abschließen.

Danke – Gracias – Dhanyabad – Thank you – Merci

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