Schienbeine und Hornhaut

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Das ist doch mal ein geiler und hungrig machender Titel, oder? Finde ich auch.

Jetzt habe ich schon länger nichts geschrieben, aber irgendwie hatte ich die Tage über auch nicht so viel Lust bzw. wusste nicht worüber, denn ich finde immer noch, dass mein letzter Beitrag mein persönliches Meisterwerk ist.

Aktuell befinde ich mich in Chiang Mai im Norden Thailands, wo das Essen gut ist, die Straßen nicht überfüllt sind und es jeden Tag einen neuen Markt zu entdecken gibt, auf dem es mehr Essen und Klamotten gibt oder kleine feine Souvenirs.

Bevor ich hergekommen bin hat mich die Lust überkommen, mich für ein Muay Thai Camp anzumelden.

Völlig legitim, wenn man noch nie Kampfsport gemacht hat, eigentlich eher der Krafttyp ist, dann eine Sportart zu wählen, die im Bereich Kampfsport wahrscheinlich mit die krasseste ist.

Am letzten Dienstag bin ich hier angereist, habe ein 6 Bett Zimmer für mich alleine und bin meist der einzige hier. Der eine Trainer sagt mir, mit seinem Wortschatz von 50 Wörtern, dass Don Corona Schuld ist, der Scheißkerl, der mir Vietnam versaut hat, aber so ist es nunmal.

Am heutigen Sonntag war Pause, die Pause, die ich mir wirklich gewünscht habe, denn gestern Abend nach der letzten Einheit tat mir wirklich alles weh.

Die Füße an allen Ecken und Kanten, die Schienbeine, meine Hüfte und meine Waden.

Jeden Tag gibt es zwei Einheiten, die erste um 7:30 Uhr und die zweite um 17 Uhr. Jeweils für 90 Minuten, wobei wir die morgendliche Einheit auf 60 Minuten beschränken, weil mir am Morgen meist noch alles vom Vortag wehtut. Am Morgen ist es sehr technikbasiert und langsam. “Relax and balance” wie der Trainer immer wieder sagt.

Ich solle mich nicht versteifen, mich locker machen, tänzeln und gleiten, so sagt er.

Das ist eine der Lektionen, die ich hier gelernt habe. Locker bleiben, gleiten, “Let it flow” würde man sagen und halte eine Balance. So kommst du zu wahrer Kraft.

Denn, wie ich gemerkt habe ist die Power umso größer, wenn man locker bleibt und dann sein Gewicht verlagert, um sein Hüfte zu drehen, damit der Kick richtig sitzt.

Bevor ich hierher kam sagte ein Bekannter zu mir, dass meine Schienbeine sehr doll wehtun werden. Punkt. Dem brauche ich nichts mehr hinzufügen.

Dadurch, dass der ganze Sport barfuß erfolgt, sehen meine Füße auch dementsprechend aus. Trocken, kaputt, dreckig, aufgerissen. Aber man gewöhnt sich daran. Man läuft den Schmerz ganz einfach weg und wenn man erstmal im Sparing ist und auf die Pads einkloppt nimmt man das gar nicht mehr wahr, denn man ist so fokussiert auf seinen Körper, um die Kontrolle zu halten.

Außerdem treibt einen dieses Training immer wieder an die Grenzen. 40 Grad Celsius, Luftfeuchtigkeit von gefühlt 8000% und ein Trainer, der halt drauf scheißt, wenn man nicht mehr kann. Natürlich mit Pausen, aber 90 Minuten sind 90 Minuten. Es ist sehr lehrreich und herausfordernd, aber das macht es so interessant und ich bin dankbar dafür, dass ich diese Erfahrung machen kann.

Morgen und Dienstag gibt’s noch insgesamt 3 Sessions, ehe ich dann abreise und noch eine letzte Nacht in einem kleinen Hotel habe. Dann werde ich auch endgültig überlegen, wo es als nächstes hingeht.

Bis bald mein Lieben

Peace and love

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