Wenn Corona um sich greift

Ja, es ist aktuell in jedermanns Munde. Ja, einige können es nicht mehr hören. Ja, einige machen sich Sorgen. Ja, andere sind zu dumm den doch vorhandenen Ernst der Lage zu erkennen. Ja, man sollte mal etwas sein Hirn einschalten. Ja, die Regierung sagt, dass man zu Hause bleiben soll. Ja, das sollte man machen und nur das Nötigste draußen machen.

Ich fühle mich ein bisschen schlecht jetzt einen Beitrag über dieses Thema zu schreiben, weil es eh überall Thema ist und es möglicherweise so wirkt, als wenn ich auf einen News-Zug aufspringen will, aber trotzdem will ich gerne ein bisschen was dazu sagen, weil ich auf meiner Reise wohl oder übel auch davon betroffen war. Nervlich wie finanziell.

In den ersten 4 Wochen meiner Reise durch Asien, hier in Nepal hat man nebenbei immer mal wieder die Nachrichten gecheckt, um sicher zu gehen, dass man auch weiterhin in die geplanten Länder kommt. Thailand: kein Problem. Vietnam: hier scheint es keinen zu interessieren. Singapur und Hongkong: Vorsichtsmaßnahmen, aber keine Abriegelung.

Ich verließ Nepal am 6 März nach Bangkok. Glücklich konnte ich mich schätzen, denn nur einen Tag zuvor war Deutschland anscheinend noch auf der Liste der Länder, die vom Einreiseverbot nach Thailand betroffen waren. Hätte mir auch egal sein können, denn in Deutschland war ich seit 4 Wochen nicht mehr.

Die Tage in der thailändischen Hitze schwinden dahin. Mein zweitliebste Beschäftigung nach dem Schwitzen ist das weitere Prüfen der aktuellen Situation, mithilfe von Google und Facebook Gruppen zum Thema Backpacking.

Bevor ich zu dieser Reise aufbrach habe ich bereits alle Flüge gebucht, denn wer rechnet damit, dass sich während der Reise ein tödliches Virus ausbreitet. Ich zumindest nicht. Also geplant war es folgendermaßen:

Hamburg – Kathmandu – Bangkok – Chiang Mai – Hanoi – Ho Chi Minh – Singapur – Hongkong – Dubai – Amsterdam – New York City

Spoiler: Davon wurden es nun 3 Städte in 2 Ländern.

Ich schreibe der Seite auf der ich den Hongkong Flug gebucht habe und bitte um Stornierung. 3 Tage später erhalte ich eine Mail, dass der Flug gestrichen wurde und man sich gerne um eine Erstattung bemühen kann. Ja bitte! In der Zwischenzeit habe ich einen Flug von Singapur nach Frankfurt gebucht, um von dort dann mit Zug nach Hause zu fahren. Dieser Flug sollte am 11 April gehen. Der ursprüngliche Hongkong Flug war für den 17 April geplant.

Hongkong und Dubai habe ich mit der neuen Buchung dann auch abgehakt und wollte nur noch nach Hause.

Das wars dann auch noch nicht, denn es wäre ja auch sonst zu langweilig, oder?

In der Zeit in Chiang Mai hat sich immer mehr herausgestellt, dass Vietnam auch nichts wird. Ich habe mich so sehr darauf gefreut, auch aufgrund der Geschichte dieses Landes.

Aber sein sollte es zumindest dieses Mal nicht. Die Google News gaben immer mehr zu verstehen, dass Vietnam es so macht, wie es hier wünschenswert wäre, meiner Meinung nach. Dieses kleine Land in Asien hat einen Anstieg vermerkt auf 50 oder 60 registrierte Fälle, laut den Medien und sofort damit begonnen das Land dicht zu machen und es Einreisenden immer schwieriger gemacht, bis es komplett verboten war. Natürlich war es in diesem Moment etwas nervig, aber dann konnte ich es auch absolut nachvollziehen.

Ich durchstöberte weiter die Facebook Gruppen. Las von Leuten, die in Hotels gesperrt sind, weil diese nun unter Quarantäne stehen. Andere müssen ihr Hostel verlassen, weil alles geschlossen wird. Wieder andere sind am Flughafen gestrandet. Ich wäre möglicherweise noch nach Vietnam gekommen, da ich ein zuvor besorgtes Visum hatte, aber das Risiko war mir einfach zu hoch.

Vietnam wurde also nichts, daher auch kein Anschlussflug nach Singapur, daher Überlegungen in welchem Land ich die nächsten 3 Wochen verbringen will. Mein Visum in Thailand würde bis zum 4 April reichen, was bedeuten würde, dass ich dann noch eine Woche irgendwo anders verbringen müsste, um die Zeit nach Singapur zu überbrücken.

“Entweder bleibe ich dann in Thailand und fliege dann zwischenzeitlich nach Malaysia, um von dort nach Singapur zu reisen oder ich fliege gleich am 19 März nach Malaysia und treffe mich dort mit Antonio aus Nepal, um die restlichen 3 Wochen zusammen zu verbringen.” Diese Überlegungen stelle ich an.

Plottwist: ich habe mich dann umentschieden und habe meinen Flug von Singapur umgebucht auf den 19 März. Der Plan war mein Muay Thai Training zu Ende zu machen bis zum 17 März, am Nachmittag dieses Tages ein Tattoo zu bekommen, am 18 März nach Singapur zu fliegen, um am nächsten Morgen mit Emirates über Dubai nach Frankfurt zu fliegen.

Zwar hatte Singapur in der Zwischenzeit seine Einreisebestimmungen geändert, sodass man nicht einreisen durfte, wenn man in den letzten 14 Tagen in Deutschland war, aber das wäre ja kein Problem. Also alles ganz locker.

Am Sonntagabend scrolle ich durch Facebook und durchstöbere die Backpacking Gruppen, bis ich auf einen Post stoße, in dem jemand fragt, ob er durch Singapur reisen kann. Antwort: ein Link zu einem Bericht.

Ich öffne den Link, mit der Ergebnis, dass Singapur inzwischen alle, die einreisen oder nur durchreisen wollen für 14 Tage in Quarantäne steckt.

Meine Gedanken in diesem Moment waren sehr einfach: “Nein, nein, nein”

Aus langsam wachsender Verzweiflung rufe ich meine Eltern an. Papa sagt kurz und knapp, dass ich den nächsten Flug buchen soll. Also App auf, Chiang Mai – Hamburg.

Ergebnis: Chiang Mai – Bangkok – London – Hamburg – 25 Stunden und 1200,00€

Resultat: Am Ende des 16 März lande ich gegen 21:30 Uhr in Hamburg am Flughafen, Papa holt mich ab und wir machen uns auf den Weg nach Hause.

Etwas geknickt bin ich, dass diese Reise, die ich seit 4 Jahren machen wollte nun vorzeitig beendet musste, aber mir ist auch klar geworden, dass ich gesund bin, am Leben, zu Hause, nicht irgendwo in Quarantäne oder einer geschlossenen Stadt sitze und, dass man nichts gegen Mutter Natur machen kann.

Ich hoffe, dass die Menschen lernen. Dinge zu schätzen, so klein sie vermeintlich sein mögen und, dass wir definitiv nichts besonderes sind in dieser Natur. Wir sind ein Lebewesen, wie jedes andere und sollten uns unseres Platzes bewusst sein. Nicht, dass wir uns über die Natur stellen und denken, dass wir Könige der Welt sind.

Ein Appell in diesem Blog ist vielleicht nicht weitreichend und tragend, aber er erreicht zumindest die paar Leute, die sich das hier immer fleißig durchlesen, wofür ich sehr dankbar bin.

Bleibt zu Hause, macht das Nötigste. An die Idioten, die es nicht verstehen gilt die selbe Botschaft. An die Chefs, die ihren Mitarbeitern das Homeoffice verweigern: ihr seid die Verbildlichung von Verantwortungslosigkeit. An die ganzen Ärzte, Krankenschwestern, Mitarbeiter im Supermarkt ein Dankeschön.

Bleibt zu Hause und macht es nicht unnötig schlimmer. Sonst sind ein paar Euro, die man mehr ausgegeben hat das kleinste Problem.

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Author: KevinB

Autor, Sportler, Reisender, Fotograf, Allesmacher. Ich bin auf der Suche nach mir selbst und schreibe meine eigene Geschichte. Das ist es, worauf es ankommt. Ich bin Kevin und das hier ist mein Anfang.

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