Maktub – es steht geschrieben

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Das Wort “Maktub” stammt aus der arabischen Sprache und bedeutet so viel wie “es steht geschrieben” … “und meint, dass die Menschen nur in beschränktem Mass ihre Geschicke an die eigene Hand nehmen können. Dahinter steht die religiöse Vorstellung, dass das Lebensbuch jeden Menschens von Gott vorgezeichnet ist.” (Quelle: Google)


André ist vor Kurzem nach Chiang Mai gereist, in die Stadt im Norden Thailands. Sie ist im Vergleich zu Bangkok viel ruhiger, kleiner und entspannter. Es gibt gutes Essen, viele Tempel, auf den Straßen begegnen ihm viele Mönche, die auf dem Weg in besagte Gotteshäuser sind. Selbst in den frühen Morgenstunden steigt die Hitze bereits unerträglich hoch. Die Sonne brennt unangenehm auf der hellen Haut, sodass alle die seinen Weg kreuzen den Schatten suchen. Es ist ungefähr 9:30 Uhr am Morgen als er sich von seinem kleinen Hotelzimmer auf den Weg macht zum DaDa Cafe, um dort einen der frischen leckeren Säfte zu trinken. Er kommt gerne hierher.

Das Cafe liegt in einer kleinen Straße außerhalb von der Altstadt Chiang Mais, ist nett eingerichtet, mit Tischen und Stühlen aus Bambus, das Essen ist füllend, frisch und vergleichsweise günstig, aber sein Highlight ist ein morgendliches Glas Ananassaft, der frisch zubereitet wird.

Er erreicht das Cafe, betritt es durch den schick verzierten Eingang, an dem Blumen hängen und Ventilatoren versuchen gegen die Hitze anzukämpfen, aber es scheint so, als ob ihm die Hitze nicht zu schaffen macht. Er trägt ein weites helles Hemd, leichte Schuhe und wirkt wie die Ruhe selbst.

Es wirkt so, als wenn er sich auf seinen Stammplatz setzt. Vorbei an 3 kleinen Tischen, setzt er sich auf die Schwelle zwischen dem Inneren des Cafes und dem äußeren Bereich, der der Hitze ausgeliefert ist. Auf seinem Weg passiert er einen jungen Mann.

Braunes kurzes Haar, sichtlich erschöpft von der Hitze, auf der Suche nach der Kühle des Ventilators. Seine beiden Rucksäcke liegen in der Ecke und er schlemmt sein Frühstück nur so in sich hinein, denn das letzte Mal gab es am Abend des Vortages zu essen. Denn der junge Mann kam am Morgen mit dem Nachtzug aus Bangkok in Chiang Mai an.

Der junge Mann folgt André mit seinem Blick bis dieser sich hinsetzt. André jedoch nimmt das gar nicht wahr. Er wirkt so als wenn er jeden Schritt, den er tut bewusst wahrnimmt und vor sich hinlebt, immer in dem Bewusstsein seiner selbst. So wirkt er jedenfalls auf den jungen Mann. Als dieser sein Frühstück verspeist hat steht er auf und geht hinüber zu André und fragt, ob er sich setzen darf, denn dieser erweckt den Eindruck, dass er gute Geschichten erzählen kann. So äußert es auch der junge Mann, ehe André freundlich nickt und fragt, was für Geschichten er denn erzählen soll.

Der junge Mann ist sich unsicher und beginnt mit den üblichen Fragen. Woher kommst du? Wo warst du vorher? Wie lange bist du schon hier?

André ist Franzose, treibt sich allerdings in der ganzen Welt rum. Er ist 87 Jahre alt, sieht aus wie Ende 60 und ist Meditationstrainer, der längere Zeit in Indien bei den Mönchen lebte.

All das erfährt der junge Mann allerdings erst im Verlauf des Gespräches, welches ihm noch lange im Kopf bleiben wird, aber das wusste er zu Beginn noch nicht.

So fängt André an zu erzählen über Erfahrungen in Indien, Vietnam und Kalifornien. Da wurde der junge Mann etwas hellhörig denn er liebt Kalifornien, so war er bereits 4 Mal dort und träumt immer wieder von diesem Ort. Allerdings lauscht er nur den Worten des Franzosen. Es geht um Menschen, die er kennengelernt hat und wie ihn seine Meditationen durch schwierige Situationen gebracht haben. Er berichtet von Problemen in der Welt, die er gesehen und erfahren hat, aber die Schönheit von Momenten, die unvergessen bleiben.

Der junge Mann findet seinen Einsatz und berichtet von seinem letzten Aufenthalt in Nepal, wo er zuvor war. Er erzählt von den schönen Momenten, die sich ihm ins Gehirn gebrannt haben und ihm immer wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Seine Lieblingsgeschichte, die wie er eine Gruppe von anderen Reisenden kennengelernt hat, erzählt er André voller Freude und auch in Anlehnung an das Zitat von Steve Jobs, dass man Zusammenhänge nur im Nachgang erkennen kann, nicht vorher.

Der Franzose nickt freundlich und lauscht gespannt den Worten des jungen Mannes, als wenn es nichts anderes um die beiden herum gäbe. Diese Ruhe, die er in sich trägt greift um sich und erfasst den jungen Mann. Auch er fühlt diese Ruhe, findet den Einklang dieser Unterhaltung und verliert sich in seinen Gedanken, die er austauschen will.

In der Zwischenzeit kommt der Kellner und serviert dem jungen Mann auch einen frisch gepressten Saft, der ihn vor der Hitze schützen soll, die er jedoch nicht mehr so richtig wahrnimmt, vertieft in das Gespräch.

Einige Zeit später als der junge Mann seinen Freunden und seiner Familie von der Begegnung erzählen will fällt es ihm schwer sich an den genauen Verlauf zu erinnern, aber er kann sich immer noch gut an das Gesagte erinnern, was ihn nicht in Ruhe ließ.

Die Unterhaltung der beiden verlief von feinen Reisegeschichten dorthin, dass André mehr und mehr seine Lehren von den Mönchen erläuterte und immer wieder darauf verwies. Er erklärte dem jungen Mann, dass das Universum mit allem, sei es Mensch, Tier oder sonst was, eins ist und das alles andere eins mit dem Universum ist. Alles hängt zusammen.

Der junge Mann staunt nicht schlecht und erinnert sich an ein Buch, dass er während seiner Reise las. “Der Alchemist” von Paolo Coelho, in dem ein junger Hirte seinen Lebensweg sucht und geht, dabei den Alchemisten trifft, der ihm den Weg und das Leben erklärt. “Maktub” heißt es im Buch.

Er fragt André, ob dieser das Buch kennt und, dass er eben an “Maktub” denken muss. André nickt ganz einfach und lächelt. “Alles was du erfährst, das ist so vorgesehen, es gibt nichts, was du ändern kannst. Vertraue, dass es so zu sein hat, wie es ist” sagt er. “Kommt es einfach, dann ist es richtig”, “Let it flow, don’t worry” äußert er, als der junge Mann fragt, ob die beiden sich ein weiteres Mal treffen können während des Aufenthalts in Chiang Mai: “Vielleicht sehen wir uns, vielleicht auch nicht, aber erzwinge es nicht” lauten die Worte des Franzosen.

Dem jungen Mann fällt beinahe der Kiefer zu Boden während sie sich unterhalten. Dieser berichtet von der Freude, Stolz und Liebe, die er erfahren hat und erfährt. Es liegt in jedem selbst, nicht in den anderen diese Dinge zu erfahren. Andere lösen zwar die Trigger aus, aber diese liegen in uns.

Die Zeit verstreicht, aber die beiden bekommen es nicht mit. Dem jungen Mann fehlen die Wort, sodass er nicht weiß, was er noch sagen soll. Es sind 3 Stunden vergangen seitdem der junge Mann sich zu ihm setzte, aber es fühlt sich an wie 20 Minuten.

André schnappt sich das Menü, um etwas zu essen zu bestellen, während der junge Mann, mit immer noch vorhandenem Schmunzeln seine Sachen holt, weil er sich auf den Weg machen will. Er zahlt, möchte André die Hand schütteln, der allerdings stellt sich ihm gegenüber und nimmt ihn in den Arm. Er sagt, dass es an der Zeit war, ansonsten hätte er sich nicht zu ihm gesetzt.

“Let it flow my friend and appreciate everything” sind seine letzten Wort, ehe der junge Mann das Cafe verlässt.

Sehen tun die beiden sich nicht mehr.

“Maktub” ist sein letzter Gedanke.

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