Wer spricht denn da?

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Es ist mitten in der Nacht. Draußen ist es dunkel, der Mond steht weit oben am Himmel und der Horizont schimmert im Licht der Sonnenstrahlen, die sich nur noch knapp und unter voller Anstrengung den Weg zu ihm bahnen können.

Die Sterne tanzen umher, einer heller als der andere. Die Sternenbilder scheinen miteinander zu tanzen, obwohl sie, wie jede Nacht, nur so dastehen.

Hin und wieder durchquert ein Flieger die Sinfonie der kleinen Leuchtpunkte, mit dem eigenen Blinken, von weiß auf rot und wieder zurück auf weiß.

Es ist kein einziges Geräusch zu vernehmen, außer dem leichten Rascheln der Blätter, die im Zuge einer kleinen Frühlingsbrise, vor sich hin tänzeln. Der Schein des Mondes kriecht durch die schmalen Schlitze der Jalousie und klettert mit Mühe die Kante des Bettes hinauf.

Ein Mann, durchschnittlich groß gewachsen, kräftiger gebaut als der Durchschnitt wühlt sich umher in seinem Bett. Mal schaut ein Bein unter der Decke hervor, mal beide, dann wieder keines, aber dafür ein Arm oder beide. Unruhe erhellt den Raum, ehe er die Augen aufreißt und ruft, dass er ja weiß, aber nicht weiß wie.

Er richtet sich auf, schaut sich um, einen Seufzer stößt er aus, der ganz sicher von sehr weit unten kam, denn danach legt er sich sichtlich erschlagen wieder auf den Rücken und starrt an die Decke.

Ein Blick zum Wecker: 3:56 Uhr. Am Morgen.

Der Blick zurück an die Decke. Er starrt um die Wette mit den kleinen krisseligen Punkten, die sich in seiner Tapete sammeln. Wer gewinnt wohl?

“Aber wie soll ich es denn anstellen?”, stellt er sich selbst als Frage, auf die er selbst keine Antwort geben kann.

Sein leicht verzweifelter, aber auch irgendwie hoffnungsvoller Blick, der schleicht sich entlang der Decke in Richtung Wand. Hinunter an dieser und geradewegs auf eine Landkarte, die an der Wand hängt.

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Seine Augen schnüren sich die Stiefel, setzen den großen Rucksack auf, packen die Gelegenheit am Schopf und begeben sich auf eine Wandertour quer durch die Welt. Von Europa ging es nach Afrika, von den Wüsten des Nordens in die Dschungel der Zentralität des Kontinents.

Von Afrika nehmen seine Augen einen Flug hinweg über die Weiten des Meeres nach Asien, welches sie durchqueren und immer wieder in Begeisterung verfallen.

Neuseeland und Südamerika runden den Ausflug der Augen ab, ehe diese sich wieder schließen, um der Seele Ruhe zu geben.

Wärme, Spannung, Freude, Nervosität, Ungewissheit, Abenteuerlust und ein gewisser Grad an Verzweiflung, alles zu einem Cocktail der Überforderung vermischt, bahnen sich den Weg durch die Blutbahnen des Mannes, der sich wieder umherdreht, um die perfekte Schlafposition zu finden.

Es piept der Wecker, die Sonne kitzelt die eine Fußspitze und den einen Arm, die es im Kampf der Schlafpositionen an die frische Luft geschafft haben. Mit einem Murren steht er auf, um seinen morgendlichen Gang zu gehen. Toilette, Bad, Küche, Schlafzimmer.

Vor seinem Spiegel stehend, schwankt sein Blick wieder auf die Landkarte. Er fixiert seinen Blick, nachdem er vor seinem geistigen Augen wieder Berge erklommen, Wellen geritten, Wüsten durchquert und Kulturen kennengelernt hat. Er erblickt den Norden Indiens und geht ein bisschen weiter, in ein kleines Land, das sein Leben ändern sollte und welches ihn bereits solange faszinierte.

“Ja, ja, ich weiß ja. Ich spüre es doch immer wieder. Nun sage mir doch einfach, wie ich es am besten angehen soll!”, so seine Worte zu sich selbst, während er den Blick wieder richtet, um sich anzuziehen.


Es sollte nun ein Tag folgen an dem viel passierte. Um ihn herum nicht besonders viel, aber innerlich, da tauchte ein alter Ort namens Shangri La in ihm auf.


Ein Ort von dem man nicht weiß, ob es ihn gab oder gibt. Es steht jedoch geschrieben, dass dieser Ort als perfekter Rückzugsort aus dem Weltgeschehen gefühlt und gesehen wird.

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Als es wieder Abend wurde schloss er seine Augen, setzte den Hut eines Abenteurers auf, schnappte sich eine Taschenlampe und begab sich auf ein Abenteuer. In sich. Es ging hinauf ins Weite und hinab ins Ferne, aber da war sie wieder, diese Wärme, die Freude, die Lust am Abenteuer und das Verlangen nach mehr.

“Danke dir, nun weiß ich, was du willst.”, so sprach er zu sich selbst, schmunzelte zufrieden und schlief ruhig ein. Er begab sich in eine ruhige Nacht.

Um am Morgen wieder aufzuwachen. Weit vor seinem Wecker. Er sprang auf, sah auf seine Karte, in den Norden von Indien und wieder ein bisschen weiter. Er lächelte, schaute hinab auf seine Brust und sprach ein leises “Danke” aus.


“It’s impossible, said pride.

It’s risky, said experience.

It’s pointless, said reason.

Give it a try, whispered the heart”

unknown

Kevin

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