Ein Tag am Meer

Der Himmel zieht sich zu. Es sieht so aus, als wenn sich gerade die Unterwelt nach oben durchgekämpft hätte. Eigentlich war es duchgehend zu erahnen, dass es zeitnah regnen würde, doch diese extreme Änderung der Witterung kam doch überraschend, aber was soll ich sagen?

Als Norddeutscher kennt man das doch zu genüge, also lassen wir uns doch davon nicht unterkriegen. So sitzen wir in einem leicht schiefstehenden und wackeligen Strandkorb an der Nordseeküste, mit dem Rücken zum Meer, denn das war nicht nur Regen. Das war dieser gemeine Regen, der auch von der Seite kommt, um einem auch ja die Achseln zu waschen.

Sekunde für Sekunde vergeht und Regentropfen für Regentropfen schlägt auf dem Dach des Unterstands auf. Gegenüber von uns suchen andere Strandlustige Unterschlupf unter einem nordseetypischen Stelzenhaus. Nur doof, dass der seitwärts kommende Regen sich nicht besonders darum schert und so alles gibt, um auch diese Gäste zu bespaßen.

Immer wieder stecke ich meinen Kopf hinaus und schaue nach hinten, hinaus auf die Nordsee über der es immer dunkler wird. Es wird diesig über dem unruhigen Gewässer, ähnlich einer langsam schleichenden Schicht aus Nebel. Den Kopf ziehe ich schnell wieder zurück und blicke wieder in die andere Richtung. Strahlend blauer Himmel, weiße Zuckerwatte Wolken und trockener Sand. Das erfassen meine Augen in ungefähr 200 Meter Entfernung.

Während wir in der Gemütlichkeit des Strandkorbs warten, dass die Bewässerung etwas nachlässt, kommen an uns immer wieder Surfer vorbei, mit den dazugehörigen Brettern unterm Arm. Irgendwo hinter uns rennen noch ein paar Hunde umher, die das Ganze eh relativ wenig interessiert, weil die meisten so oder so im Wasser landen. Mindestens einmal.

Allmählich lässt der Regen nach, in der Ferne bricht ein Regenbogen durch die Himmelsdecke, die Wellen rauschen weiter vor sich hin und in der Luft steckt dieser wunderbare Geruch. Dieser Geruch auf den ich mich seit Mitte der Woche gefreut habe. Frische Nordseeluft, etwas Salz und eine Prise Freiheit, garniert mit dem Gefühl am Leben zu sein.

Wahrscheinlich mag sich jetzt der ein oder andere Folgendes denken:

“Laber nicht rum und halt die Klappe!”

Tja, dann tut es mir leid, dass eben diese Menschen selten bis gar nicht in den Genuss dieses Geruchs kommen. Manchmal glaube ich einfach und das bestätigt sich sehr oft, dass eine innere Einstellung, allen Dingen die uns begegnen eine neues Level der Wahrnehmung verpassen.


Wir sitzen in der Innenstadt und haben uns ein feines Restaurant herausgesucht, um unseren Hunger zu stillen. Kein FIsch, sondern italienisch. Pizza geht eben immer. Danach noch ein paar Leckereien, ehe wir uns dann auf den Rückweg zu machen, um nach Hause zu fahren.

Entlang der weiten Dünen der Nordsee wandern wir zurück in Richtung Strand, zurück zu der Stelle an der wir am Mittag eben diesen betreten haben. Nach all dem Regen, der herunterkam türmen sich die Wolken und bilden sich zusammen zu unwirklichen Formen und gleiten auf der Leinwand des Himmels entlang. Die ganze Zeit krabbelt diese frische Brise in meine Nase und lässt mich den Moment genießen.

Durch kleine Löcher in der Wolkendecke ist zu sehen, wie sich die Sonne langsam aber sicher ihrer Bettruhe zuneigt, um diesen wundervollen Tag zu einem wundervolleren Tag zu machen.

“Ein Tag mit Sonnenuntergang ist wundervoll. Fügst du noch das Meer hinzu, hast du alles was nötig ist”

Wir sitzen wieder im Strandkorb, dieses Mal ohne Regen. Wir genießen die Aussicht auf das Meer, das sich langsam beruhigt und vor sich hin plätschert. Einzelne Sonnenstrahlen berühren die Erde und hüllen einige Dünen in einen so schönen Sonnenschein, dass diese Stellen so aussehen, als wenn sie nicht dazu gehören würden.

So sitzen wir vor uns hin, während sich der Strand langsam leert. Nach und nach gehen immer mehr Menschen an uns vorbei, denen auch wir uns anschließen, doch das Meer, das bleibt.


Das war unser Sonntag. Ein Tag, an dem wir uns eine Auszeit gegönnt haben vom Trubel und Lärm des Alltags.

Bis zum nächsten Mal

Le Kév

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Author: KevinB

Autor, Sportler, Reisender, Fotograf, Allesmacher. Ich bin auf der Suche nach mir selbst und schreibe meine eigene Geschichte. Das ist es, worauf es ankommt. Ich bin Kevin und das hier ist mein Anfang.